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Die Wirtschaftskrise und die Waldwirtschaft? - Glosse

Vor kurzem habe ich meinen Freund, den Wastlbauern, drauf angesprochen, ob er denn seine Durchforstungen für diesen Herbst / Winter nicht endlich vorbereiten möchte. Da hat er, nach guter oberpfälzer Manier ausweichend geantwortet und eine Zeit lang herumgedruckst, bis ich ihm dann doch aus der Nase ziehen konnte, dass er sein Holz lieber sparen will, weil: „... wenn i etzat des Hoiz obhau und nachad is as Göld nix mehr wert, dann hob i koa Göld UND koa Hoiz mehr.“ Das ist echte Bauernschläue !
Wie ich ihn dann gefragt habe ob er es mit seinen Kühen auch so mache: „Nicht mehr melken und die Milch im Euter aufsparen, weil er nicht weiß ob die Milch noch das Geld bringen wird, wenn er die Molkereiabrechnung erhält ?“, hat er mich etwas verdutzt angeschaut. Ich hab ihm richtig angesehen, dass er mich am liebsten gefragt hätte: „Ja, bis jetz ganz blääd !?? Des geht doch ned! Des hoit doch koa Kou lang as.“ Aber er hat sich höflicherweise damit begnügt fragend zu blinzeln.
Ich hab ihm dann versucht zu erklären: „ Schau, Wastlbauer, freilich geht das mit der Kuh und der Milch nicht, weil die eine Euterentzündung kriegt und dann das Milch-geben einstellt. Mit dem Wald ist es aber ähnlich, bloß in längeren Zeiträumen. Wenn man den nicht durchforstet, lässt seine Wertschöpfung / sein Wertzuwachs nach und durch den Dichtstand wird er immer wackeliger und spindeliger und anfälliger gegen Sturm, Schnee und Insekten. Freilich kann man eine Durchforstung mal ein paar Jahre schieben, aber in Deinen Wälder schiebst Du wirksame Durchforstungen seit Jahrzehnten, bzw. hast außer unwirksamer Totengräberei von dürren Unterstandlingen noch nie Deinen besten Bäumen im Wald wirklich geholfen. Außerdem ist es nicht gewiss wann genau eine Wirtschaftskrise kommt und wie stark die ausfällt  – dass immer wieder mal welche kommen ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Re investiere meinetwegen das verdiente Geld in Sachwerte, dann bist Du auf der sicheren Seite UND Dein Wald hat die nötige Pflege erfahren. Außerdem tu nicht so, als ob der Wald nach einer Durchforstung für Jahrzehnte zur Ader gelassen wäre! Das stimmt einfach nicht. Wenn man`s richtig anstellt (und das habe ich Dir schon oft gezeigt) dann ist es ca. 5 Jahre danach wieder möglich den nächsten Durchgang zu machen.

Wenn Du nämlich Deinen Wald jetzt aus falscher Sparsamkeit nicht pflegst und es haut ihn Dir eine Kalamität egal ob vor, in oder nach der Wirtschaftskrise zusammen, dann hast Du einen Haufen Schadholz i.d.R zu einem besonders schlechten Preis. Dann ist der Schaden größer, weil Dir ja nicht nur die schlechten Stämme kaputt gehen, die bei der Durchforstung rausgekommen wären, sondern auch die Guten, die sich wegen mangelnder Pflege nicht stabil entwickeln konnten und ebenfalls gebrochen sind. Zusätzlich kommen noch die Wiederaufforstungskosten drauf !“

Der Wastlbauer hat sich es mit steinerner Miene angehört – wie immer. Ein paar nichtssagende Floskeln, schließlich ging er seiner Wege. Manchmal glaube ich, dass die Einstellung „Meine Meinung steht fest, man verwirre mich nicht mit Tatsachen.“ bei ihm genetisch festgelegt ist. Ein Zitat von Friedrich dem Großen kommt mir in den Sinn: „Denken ist eine der schwierigsten Arbeiten die es gibt. Das ist auch der Grund warum sich so wenige damit beschäftigen.“ Oder ist es nur mangelnder Mut ? Fehlt es ihm an der Kraft Entscheidungen zu fällen ?

Dabei kann ich ihn gut verstehen: Er will keinen Fehler machen. Er kann die Tragweite seiner Entscheidung, ob er nun durchforsten oder es lieber bleiben lassen soll nicht überblicken. Er weiß nicht was richtig ist und denkt sich: „Bevor ich einen Fehler mache, mache ich gar nichts.“ und „Wenn`s der Wald bisher ausgehalten hat, tut er das auch weiter.“ Seine Vorsicht und seine Einstellung, das Erbe seiner Väter nicht leichtfertig aufs Spiel setzten zu wollen, ehrt ihn. Aber manchmal muss man einfach Entscheidungen treffen, sonst nimmt einem der Lauf der Geschichte die Entscheidung ab – nicht immer zu den eigenen Gunsten. Das hier ist so ein Fall. Die Denke „Wenn ich nichts mache, mache ich auch nichts verkehrt“ ist so einleuchtend wie falsch. (Wenn man die Kuh nicht melkt, kann man sie auch nicht falsch melken, oder ?) Das ist ja fast schon die viel gescholtene Beamtenmentalität ! Dabei hat mir der Wastlbauer ja selbst die Scherzfrage gestellt: „Was ist der Unterschied zwischen einem Beamten und einem Stück Holz ?“ Antwort: „Holz arbeitet.“ Und jetzt denkt er selber so. Das, wenn er wüsste, wär ihm gar nicht wohl !
Ich kann nur hoffen, dass er nicht aus Schaden klug werden muss. Allerdings ist das eine leider oft gemachte Erfahrung von uns Privatwaldförstern: Wenn es Schäden gibt, dann kommen die Leut zu Hauf und fragen was sie machen sollen, ob`s Zuschüsse für die Wiederaufforstung gibt, usw. aber wenn Ruhe an der Schadensfront ist, dann denkt kaum jemand an „dem Schaden vorbeugen“ durch Holz machen oder Wald pflanzen. Dabei weiß doch jeder vom eigenen Körper her, dass gesund bleiben durch gesunde Ernährung und gesunde Bewegung viel einfacher (und angenehmer ! ) ist als aus der Krankheit heraus wieder gesund werden.
Das gilt für den Wald genauso.

In diesem Sinne: In Maßen (nicht Massen !) Holz machen hält gesund – den Besitzer genauso wie den Wald selber.

Michael Bartl, Forstrevier Kastl
 

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