Forstgutachten
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Vegetationsgutachten 2009

Erfreulich ist:
Es ist bayernweit besser geworden seit der letzten Aufnahme 2006. Siehe dazu Stellungnahme des BJV (bitte klicken) weiter unten.
Traurig ist:
Den Stand von vor 6 Jahren haben wir nicht wieder erreicht. Man sieht: es ging schon mal besser - und für den Wald braucht es noch wesentlich mehr. Siehe dazu Presseerklärung des ÖJV (bitte klicken) weiter unten.

Zum Interpretieren der Ergebnisse für die eigene Jagdgenossenschaft braucht es trotzdem die Kenntnisse der örtlichen Zustände. Im Vegetationsgutachten sind die Durchschnittswerte auf Hegegemeinschaftsebene dargestellt. Das Vegetationsgutachten kann über die Verbissverhältnisse in der eigenen Jagd keine Aussage treffen.

Dazu ein einfaches Beispiel: "Stellen Sie in die Mitte Ihrer Küche einen Hocker so, dass der Herd hinter und der Gefrierschrank vor Ihnen ist. Öffnen Sie beide und stellen Sie die Backröhre auf 200°. Dann lehnen Sie Sich zurück, stecken den Kopf in die Röhre und die Füße ins Gefrierfach. Nach einer halben Stunde messen Sie am Nabel den Mittelwert (=Durchschnitt) von 37° und stellen fest: Alles in Ordnung! Die Sache hat nur den Haken, dass Sie nach dieser halben Stunde vermutlich die Messung aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selbst durchführen können. Aber das macht nichts - Hauptsache die Statistik stimmt!"

In der folgenden Tabelle sehen Sie die Ergebnisse für die im Gebiet der WBV Sulzbach-Rosenberg liegenden Hegegemeinschaften (Quelle: www.forst.bayern.de/jagd/verbissgutachten). Die Zahlen unter den Baumarten beziehen sich auf den Leittriebverbiss in %:

 

Leittriebverbiss in % der aufgenommenen Pflanzen

Wertung

Hege- gemeinschaft

Anzahl der Flächen

davon unge- schützt

Fichte

Tanne

Kiefer

Buche

Eiche

Edel- laub- holz

sonst. Laub- holz

Nadel- holz gesamt

Laub- holz gesamt

Baum- arten gesamt

Verbiss- belastung

Abschuss- empfehlung

Hahnbach

33

27

1,1

 

6,2

 

39,4

19,4

25,4

2,7

28,9

15,7

zu hoch

beibehalten

Kötzersricht

33

26

3,2

 

0,3

22,4

33,1

18,7

25,4

1,8

26,4

19,2

zu hoch

beibehalten

Vilseck

32

30

1,1

 

0,6

 

18,3

10,6

15,3

1,0

15,2

5,6

tragbar

beibehalten

Auerbach

30

22

17,1

 

21,4

10,1

 

67,2

37,5

17,2

22,2

19,5

zu hoch

erhöhen

Königstein

38

29

6,5

 

57,1

21,8

23,5

26,5

18,4

9,2

22,0

19,6

zu hoch

beibehalten

Neukirchen

35

29

4,7

8,0

15,3

8,3

9,3

23,9

24,0

5,6

15,4

11,2

tragbar

beibehalten

Sulzbach-Rosenberg

37

33

3,7

 

20,6

11,0

17,6

29,5

21,5

5,2

13,9

10,2

tragbar

beibehalten

 

Leider haben wir nach über 20 Jahren Vegetationsgutachten in keiner einzigen Hegegemeinschaft einen günstigen Zustand der Naturverjüngung erreicht. Dabei ist die Wertung der Verbissbelastung und die daraus resultierende Empfehlung zur Abschusshöhe wie oben zu lesen sehr zurückhaltend formuliert (z.B. Königstein, Verbissbelastung ist als “zu hoch” bewertet - trotzdem lautet die Abschussempfehlung  “beibehalten”).

Von den (meist) günstigen Werten für die Fichte darf man sich nicht täuschen lassen. Tanne, Buche, Eiche, Bergahorn und Esche werden nach wie vor zu stark verbissen. Häufig werden diese Baumarten bereits im Keimlingsstadium weggefressen. Und was nicht mehr da ist, kann im Vegetationsgutachten auch nicht mehr gemessen werden. Außerdem droht die langfristige Entmischung der Verjüngung zugunsten der problematischen Fichte. Diskussionen über Unruhe in den Wäldern, leergeräumte Landschaften, Fütterungen u. a. lenken nur von der eigentlichen Hauptursache für übermäßigen Verbiss ab:

Zu viele Rehe sind`s, die die natürliche Verjüngung des Waldes schädigen!

Jede Jagdgenossenschaft muss ihre Verantwortung für die Schaffung klimatoleranter gemischter Wälder in ihrem Zuständigkeitsbereich ernstnehmen. Es gilt, den im Art. 1 des Bayerischen Waldgesetzes verankerten Grundsatz “Wald vor Wild” in die Praxis umzusetzen. Gezäunte Flächen zeigen das Naturverjüngungspotential in unseren Wäldern. Solange ein augenfälliger Unterschied zwischen gezäunter und ungezäunter Fläche besteht, kann nicht von einem Wildbestand in einem ausgewogenen Verhältnis zu seinen natürlichen Lebensgrundlagen nach Art. 1 Abs. 2 Bayerisches Jagdgesetz gesprochen werden.
Für eine leistungsfähige, naturnahe Waldwirtschaft brauchen wir die gesamte Palette an standortgerechten Baumarten. Für zukunftsfähige Wälder im Hinblick auf den Klimawandel reicht es nicht, dass die Fichte bei den Verbißschäden (meistens) im “grünen Bereich” liegt! Der Wald trägt die Hauptlast einer verfehlten Einstellung zur Jagd. Und wir Waldbesitzer dürfen uns nicht mit dem Erreichten zufrieden geben.

Unser Appell: Werden Sie als Jagdgenosse aktiv. Überlassen Sie grundlegende und zukunftsweisende Entscheidungen nicht anderen. Holen Sie sich Rat bei Revierleiter oder WBV. Suchen Sie die enge Zusammenarbeit mit Jagdgenossenschaft und Jäger (z.B. Abschußschwerpunkte aufzeigen). Unterstützen Sie leistungswillige und -fähige Jäger vor Ort. Durchforsten Sie Ihren Wald für mehr Licht und Luft am Boden und damit verbundener natürliche Äsung und reichhaltige Naturverjüngung.
Und nicht zuletzt: honorieren Sie Aktivitäten von Jägern, die gesetzliche Vorgaben in Richtung gemischten, naturnahen und damit leistungsfähigen, klimatoleranten Wald umsetzen.

 

Das komplette Gutachten mit Erläuterungen und einer Vielzahl an Auswertungen, Tabellen, Diagrammen zum Nachlesen und Downloaden finden Sie unter
http://www.forst.bayern.de/jagd/verbissgutachten/34336/index.php

Pressemitteilung des Ökologischen Jagdvereins Bayern:

Verbiss weiterhin auf untragbarer Höhe
Dringend nötiger Waldumbau ist so nicht möglich!

Die Ergebnisse des aktuellen Gutachtens sind im Bayerischen Durchschnitt etwas günstiger als 2006, trotzdem aber immer noch viel zu schlecht auf großer Schadenshöhe. Buche und Eiche sind gegenüber 2000 und 2003 wieder stärker verbissbelastet. Der Leittriebverbiss von 32,4% bei der Eiche bedeutet, dass rund 40% der nachwachsenden Eichen über 20 cm dem Wildverbiss zum Opfer fallen. Dazu kommt die massive Dezimierung der Pflanzen unter 20 cm. Damit kann die Eiche ohne Zaun nur unter massiven Beeinträchtigungen nachwachsen, ein schon wegen der hohen Kosten nicht vertretbarer Zustand.
In der zusammenfassenden Wertung des Verbissgutachtens heißt es demnach unmissverständlich: Die angesichts des Klimawandels und des damit notwenigen Waldumbaus wünschenswerten Bäume wie Tanne, Eiche, Buche und andere Edellaubhölzer „verlieren“ oder „fallen ganz aus“! (S. 26) Da in 64% der bayerischen Hegegemeinschaften der Wildverbiss zu hoch oder deutlich zu hoch ist, hat sich gegenüber der fatalen Erhebung von 2006 im Grunde nichts verbessert. Damals wurde der schneereiche Winter als Grund vorgeschoben, den es diesmal als Ausrede nicht gibt. Damit hat sich im Wesentlichen seit Einführung des Forstlichen Gutachtens vor 28 Jahren nichts grundlegend zum Besseren geändert. Das Gutachten belegt eher, dass es schlechter wird, denn im Jahr 1991 wurde der Wildverbiss in „nur“ 57% der Hegegemeinschaften als zu hoch bzw. deutlich zu hoch eingewertet.
Der Staatsminister lässt keine Gelegenheit aus, um auf die Bedeutung des dringend notwendigen Waldumbaus hinzuweisen und in das Waldgesetzt wurde das Motto „Wald vor Wild“ aufgenommen. Es muss ernsthaft gefragt werden, woran es liegt, dass die Umsetzung von Gesetzen und Verlautbarungen zum Schaden der Waldbauern und der gesamten Gesellschaft schlichtweg ignoriert werden?

Der ÖJV Bayern e.V. fordert deshalb:
- Bayernweit revierweise Gutachten einzuführen, so dass der einzelne Revierinhaber verantwortlich zeichnen muss und man sich nicht in der anonymen Masse des Hegerings verstecken kann.
- Der ÖJV schlägt weiter vor, dass Weiserzäune auf Antrag von Jagdvorständen in Zusammenarbeit mit den Ämtern für Land. und Forsten erstellt werden und aus öffentlichen Mitteln, z. B. der Jagdabgabe, bezahlt werden sollten.
- Die Effektivität von Bewegungsjagden im Herbst und Winter, die derzeit in Kreisen des BJV´s unter dem Deckmantel des Tierschutzes eher behindert werden, muss z.B. durch die Freigabe der Rehböcke oder eine praktikable Lösung für überjagende Hunde im Winter erhöht werden.
- Am Forstlichen Gutachten ist unbedingt festzuhalten. Wichtig ist, dass die gewonnenen Ergebnisse öffentlich zugänglich gemacht werden. Damit kann erreicht werden, dass die Qualität und Zusammensetzung des nachwachsenden Waldes ins Bewusstsein der Öffentlichkeit kommt. Dies gilt z. B. auch für besitzartenbezogene Auswertungen: Die landkreisbezogenen Ergebnisse - getrennt nach Staatswald, Körperschaftswald und Privatwald. Diese wurden den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bis 2003 zur Verfügung gestellt, wegen der massiven Verschlechterung in vielen Staatswäldern gingen die Ergebnisse 2006 für den Staatswald nur noch an die Forstbetriebe.

Dr. Wolfgang Kornder (1. Vorsitzender des Ökologischen Jagdvereines Bayern e.V.)
 

Stellungnahme des Bayerischen Jagdverbandes zum Vegetationsgutachten 2009:

BJV ruft auf, weiter eng mit den Grundeigentümer zusammenzuarbeiten

Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hat die Ergebnisse zum Vegetationsgutachten im Bayerischen Landtag vorgestellt. Die Überschrift der Ministeriumspressemeldung dazu lautete: „Wildverbiss hat abgenommen“ Für den Bayerischen Jagdverband (BJV) und seinen Präsidenten Prof. Dr. Jürgen Vocke ein klares Zeichen, dass man auf dem richtigen Weg ist. „In 48% der insgesamt 747 Hegegemeinschaften Bayerns wird der Abschuss beibehalten oder gesenkt. Das zeigt, dass die Jäger dort eng und gut mit den  Grundbesitzern zusammenarbeiten. Dem Wald und der jungen Vegetation geht es dort gut“, so Vocke. Der BJV Präsident spricht sich in diesem Zusammenhang aber deutlich dagegen aus, in den restlichen Hegegemeinschaften die Jagd als einzige Einflussmöglichkeit auf den Waldumbau festzumachen: „Es kann nicht sein, dass immer nur nach der Büchse gerufen wird, wenn ein Baum verbissen ist. Es ist immer ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, wenn es zu nicht mehr tolerierbaren Schäden kommt. Hat das Wild Ruhe, Äsung und Deckung, sind die Schäden zu vernachlässigen. Fallen diese Grundbedürfnisse des Wildes allerdings äußeren Umständen zum Opfer, dann kann die Erhöhung des Abschusses nicht die einzige Konsequenz daraus sein.“ Alle Beteiligten müssen sich an einen Tisch setzen und „neue Wege“ suchen, um den Verbiss zu reduzieren und dem Wald zu helfen. Auch den Jägern liegt an einem strukturreichen Mischwald. Für das Wild ist das sicher die bessere Heimat im Vergleich zu einer reinen Fichtenmonokultur. Der Weg dorthin ist allerdings umstritten.

BJV Präsident Vocke fordert in diesem Zusammenhang eine ehrliche Diskussion, die die Schaffung von Wildruhezonen und ausreichend natürlicher Äsung einbezieht: „Es gibt viele Möglichkeiten, dem Wild in bestimmten Bereichen Ruhe zu geben. Mit wenigen Mitteln kann man ausreichende Nahrungsangebote schaffen und für gute Deckung sorgen. Wenn dazu dann eine Schwerpunktbejagung auf sensiblen Flächen stattfindet, ist es mit dem Verbiss sicher schnell vorbei. Dazu muss man sich aber zusammensetzten und miteinander reden. Ich hoffe, dass auch diejenigen, die immer nur schnell nach erhöhtem Abschuss rufen, diesen Argumenten offen gegenüber stehen.“ Das Bayerische Jagdgesetz beginnt mit dem Satz: Die freilebende Tierwelt ist ein wesentlicher Bestandteil der heimischen Natur. Sie ist als Teil des natürlichen Wirkungsgefüges in ihrer Vielfalt zu bewahren. Prof. Vocke dazu abschließend: „Denjenigen, die so lautstark immer noch höhere Abschüsse fordern und Reh und Rotwild nur noch als Schädlinge bezeichnen, empfehle ich, sich etwas mehr auf diese Gesetzeszeilen zu besinnen. Zuletzt darf nicht vergessen werden, dass angemessene Wildbestände ein charakteristischer Teil unserer bayerischen Kulturlandschaft sind.

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