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Streit über Fütterung von Wildtieren - für Waldbesitzer nur eine Nebensächlichkeit?

Jedes Jahr wird in der Presse über das Für und Wider der Fütterung von Rehen diskutiert. Am 07.01.2011 erschien in der Sulzbach-Rosenberger Zeitung ein Beitrag, in dem die örtlichen Vertreter des Bayerischen Jagdverbands ihre Auffassung zum Thema darstellten:

      „Seit Anfang Dezember liegt Schnee, und die dicke, weiße Schicht wächst beharrlich, spätestens, wenn das momentane Tauwetter wieder vorbei ist. Im Wald herrscht jetzt Notzeit, die Wildtiere leiden, finden wenig zu fressen und werden oft  gestört in ihrer Winterruhe. Die Folge: Schäden an Bäumen und Trieben. Der Vizepräsident des Bayerischen Landesjagdverbandes, Dr. Günther Baumer aus Amberg, meint zur derzeitige Situation in den Wäldern, vor allem bei Rehen und Rotwild: „Fütterung gebietet § 23 des Bundesjagdgesetzes sowie Artikel 43,3 des Bayerischen Jagdgesetzes, die besagen, dass Wild in der Notzeit gefüttert werden muss! Und Notzeit war und ist derzeit in unseren Revieren. Das Wild findet in der Feldflur bei hohem Schnee keine Nahrung, und im Wald soll es ja sowieso nichts fressen!“ An die Adresse der Fütterungsgegner meint Dr. Baumer, „dass diese selbst ernannten Experten sich vor Augen halten sollten, dass die genannten Gesetze für alle gelten!“. Gerade die, welche Fütterungen und Wildäcker ablehnten, klagten nämlich dann im Frühjahr am lautesten über Verbiss- und Schälschäden. „Freiwillig wird das Wild jedenfalls nicht verhungern!“. Argumente wie „Es müssen erst zwanzig Prozent der Rehe sterben“ seien nicht nur aus Tierschutzgründen zu verabscheuen. Zur Problemlösung im Wald-Wild-Konflikt rund um den Pflanzenverbiss gehörten flankierende Maßnahmen wie Lebensraumverbesserung und vor allem Ruhe in den Revieren, meint Dr. Baumer. Er appelliert mit den Vorsitzenden der Jäger-Kreisverbände Amberg, Manfred Rösch, und Sulzbach- Rosenberg, Lore Kaiser, an die Bevölkerung, im Winter auf den Wegen und Loipen zu bleiben und das Wild im Wald nicht durch eigenmächtige Schneetouren zu beunruhigen.“

 

Einer der renommiertesten deutschen Wildbiologen, Ulrich Wotschikowsky, hat zwar nicht auf den gleichen Artikel der SRZ, aber zum selben Thema einen knappen Leserbrief im Münchener Merkur am 03.01.2011 verfasst.

Er nimmt hier zu einer Pressemeldung der Freien Wähler Stellung, in der dem Bayerischen Staatsforst vorgeworfen wird, Wildtiere nicht ausreichend mit Fressen zu versorgen – obwohl das Gesetz dies vorschreibt.

      „Zwar schreibt das Jagdgesetz die Fütterung des Wildes vor, wenn ,Notzeit‘ ist – aber es wird nicht erklärt, was unter ,Notzeit‘ zu verstehen ist. Deshalb meinen viele, es sei Notzeit, wenn Schnee liegt. Das ist Unfug.

      Zum Unterschied von Haustieren sind Wildtiere an winterliche Nahrungsknappheit, Schnee und Kälte hervorragend angepasst. Sie brauchen die Hilfe des Menschen nicht. Dieser Winter ist keine Notzeit für das Wild. Das Jagdgesetz macht nicht einmal einen Unterschied zwischen den Wildarten. In einer ,Notzeit‘ müssen streng genommen alle dem Jagdgesetz unterstellten Wildtiere gefüttert werden, die Not leiden. Aber kein Mensch kommt auf die Idee, etwa Gams zu füttern, obwohl die es schwerer haben als andere Arten, oder gar Wildschweine, die in strengen Wintern regelmäßig zu Tausenden umkommen. Niemand füttert Hasen oder gar Greifvögel.

      Merkwürdigerweise entzündet sich der Streit um die Wildfütterung immer an den Rehen – dabei geht es denen in unserer Kulturlandschaft besser als allen anderen Arten. Sie produzieren bundesweit einen Jahresüberschuss von etwa 1,3 Millionen Tieren, die erlegt werden, ohne dass die Bestände abnehmen. Warum soll man Wildtiere füttern, die uns durch ihren hohen Zuwachs Jahr für Jahr beweisen, dass es ihnen gut geht? Die Vorschrift ist hoffnungslos veraltet und gehört längst abgeschafft, und einige Bundesländer haben das inzwischen auch getan.

      Die naturgemäße Waldwirtschaft, der die Staatsforsten verpflichtet sind, schafft viel Nahrung für das Wild, und eine energische Bejagung sorgt dafür, dass sich die Tiere nicht gegenseitig die Äsung streitig machen.“

      Ulrich Wotschikowsky
      Oberammergau

       

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