Nährstoffentzug
Obere Gartenstr. 3
92237
Sulzbach-Rosenberg
 
Tel. 09661-876687
Fax 09661-8119755
Email
 info@wbv-sulzbach-rosenberg.de
 
Bürozeiten:
Montag bis Freitag
9.00-14.00 Uhr
oder nach Vereinbarung

Aufgeräumter Wald oder Nährstoff-nachhaltige Waldwirtschaft?

Manch „Experte“ will uns glauben lassen, dass auch noch mit Gipfeln, Ästen mitsamt Feinreisig und Nadelmaterial ein Geschäft gemacht werden kann und – noch dazu - der Wald hinterher sauber und aufgeräumt ausschaut. Ist das wirklich so oder ist die Nutzung kompletter Bäume zur Energieerzeugung eine moderne Form der Streunutzung? Können wir uns die Nutzung der kompletten Baum-Biomasse leisten, gerade in unserem Gebiet, wo sich die Böden nach Einstellung der Streunutzung langsam erholen – oder begeben wir uns dabei in eine Sackgasse?

Im eigentlichen, blanken Holz ist der Gehalt an Nährelementen sehr gering. Die Nährelemente Phosphor, Kalium, Magnesium und Calzium stecken vor allem in Rinde, Ästen, Nadeln und Blättern. Je feiner die Äste um so mehr Nährelemente sind enthalten. Bei der Vollbaumnutzung - das ist die Nutzung eines kompletten Baumes mit Holz, Rinde, einschliesslich Gipfel, Ästen, Feinreisig, Nadeln - werden also auch die an Nährelementen reichen Teile dem Wald entzogen.

Zum Häckseln hergerichtet (Bild Jörg Berendes)

Viele Böden im Gebiet der WBV Sulzbach-Rosenberg sind von Natur aus nicht üppig mit Mineralien ausgestattet. Die nachschaffende Kraft des Bodens ist zu gering um einen Biomasseentzug durch Vollbaumnutzung ausgleichen zu können. Die magere natürliche Nährstoffnachlieferung aus dem Boden ist auch der Grund, warum die Streunutzung in der Oberpfalz auch so negative Folgen hatte. Um die Folgen einer möglichen Baum-Biomassenutzung auf den Boden abschätzen zu können, sind genaue Kenntnisse des Standorts wichtig und eine saubere Bewertung durch forstfachlich ausgebildete Berater.

Untersuchungen von Prof. Göttlein (Fachgebiet Waldernährung und Wasserhaushalt an der TU München) haben bei einer Versuchsfläche in Waldsassen gezeigt, dass bei Vollbaumnutzung von Fichten der Nährelemententzug, je nach Nährelement, 300 bis 900 % höher ist als bei der Nutzung von Stammholz ohne Rinde.

Ein weiterer Punkt ist die Bedeutung des Kohlenstoffes für den Humus. Humus ist reich an Kohlenstoff und bildet sich aus abgestorbener Biomasse, wenn diese im Wald verbleibt. Große Bedeutung hat der Humusgehalt für die Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeit des Bodens. Der gezielten Humuswirtschaft wird im Hinblick auf den Klimawandel eine erhöhte Bedeutung für die Leistungsfähigkeit unserer Wälder zukommen.

Oft kommt es nach der Nutzung von Bäumen mit „Haut und Haar“ zu messbaren Zuwachsrückgängen gegenüber der konventionellen Holznutzung. Je magerer und humusärmer dabei der Boden ist, um so negativer wirkt sich die Vollbaumnutzung aus. Damit erweist sich ein kurzfristiger, oft marginaler Mehrerlös auch finanziell als Bumerang. Das eigentliche Geschäft hat jedenfalls nicht der Waldbesitzer gemacht.

Zum Thema Sauberkeit mag der selbsternannte Experte recht haben, wenn man der Meinung ist, dass es im Wald so aufgeräumt wie im heimischen Wohnzimmer sein sollte. Dem Wald jedenfalls tut es gut, wenn er nicht aus- und aufgeräumt ist und etwas wilde Natur walten darf.

Zweifellos aber kann die „saubere“ Waldwirtschaft bei akuter Borkenkäfergefahr angebracht sein, wenn es gilt, den Waldbestand vor weiteren Schäden durch Borkenkäferfraß zu schützen. Auch sollte hier erwähnt werden, dass es Böden gibt, bei denen von Natur aus eine Vollbaumnutzung weniger problematisch ist. Ein Argument mehr, sich vom staatlichen Förster oder dem forstlich ausgebildeten WBV-Geschäftsführer im Wald beraten zu lassen.

Das Thema „Nährtstoff-nachhaltige Waldwirtschaft  -  Wieviel Energieholznutzung können wir uns leisten?“ hat Prof. Göttlein am 1. März 2011 bei der Jahreshauptversammlung der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberpfalz als Hauptreferent näher beleuchtet.

Weitere Informationen zum Thema in der Geschäftsstelle der WBV Sulzbach-Rosenberg.

[Aktuelles] [Waldbau] [Klima] [Nährstoffentzug] [Durchforsten] [Wald und Wild]