Wald vor Wild
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Wald vor Wild: Wir müssen umdenken und handeln!

Casteller WaldDer Fürstlich Castell’sche Forstbetrieb ist ein großer Privatwaldbetrieb in Bayern. Er hat in den letzten Jahren unter den Folgen des Klimawandels gelitten und sieht die Lösung der damit verbundenen Probleme im Waldumbau und der klaren Priorität des Waldes vor dem Wild.

2007 wandte sich der Fürst zu Castell-Castell in einem Artikel an die Leser der Kitzinger Zeitung. Darin appelliert er an die Jägerschaft, sich intensiv mit der Problematik Schalenwildverbiss und Waldumbau auseinander zu setzen. Er selbst als Waldbesitzer hat die „stürmischen Zeiten“, die aufgrund des Klimawandels für Wald und Forstwirtschaft heraufziehen, erkannt und setzt seine ganze Kraft in einen konsequenten Umbau seiner Waldflächen. Sein Ziel, die Fichte durch standortsgerechte Laubbaumarten zu ersetzen, ist nur über das Bekenntnis „Wald vor Wild“ zu erreichen.

Mitglieder der damaligen WBV Oberes Vilstal hatten die Castell`schen Wälder bereits im Rahmen einer Exkursionsfahrt besichtigen können.

Die WBV Sulzbach-Rosenberg bedankt sich bei  Fürst zu Castell-Castell für die Erlaubnis, den bei der LWF veröffentlichten Artikel, auch hier unseren Mitglieder bekannt machen zu dürfen.

Abbildung rechts: Noch mehr als bisher wird im Casteller Wald beim Waldumbau auf die Verjüngung der heimischen Baumarten geachtet. Das Ziel „Waldumbau“ ist nur mit einer angepassten Rehwilddichte zu erreichen.



Fürst zu Castell-Castell:

„Noch vor kurzem glaubte ich, dass im Casteller Wald aufgrund unserer langjährigen konsequenten naturgemäßen Bewirtschaftung keine Kahlflächen mehr entstehen werden. Nun ist es ganz anders gekommen. Was ist geschehen?

Stürme, die sich mehrfach auch bei uns zu Orkanen entwickeln, richteten große Schäden an. Vor allem die Fichte hielt nicht Stand. Viele umgeworfene, geknickte und abgebrochene Bäume mussten aufgearbeitet werden. Äste, Wipfel und natürlich auch noch stehende Bäume, deren Wurzeln aber gerissen sind, waren und sind ein willkommenes Fressen für den Borkenkäfer.

Die Fichtenborkenkäfer vermehrten sich millionenfach. Inzwischen sind es so viele, dass sich in unseren Steigerwaldrevieren das Waldbild völlig gewandelt hat. Große Kahlflächen sind entstanden, auf denen kein Baum mehr steht. In vielen Beständen sind auch junge Bäume, die noch kein verwertbares Holz bringen, abgestorben oder zeigen Dürreschäden.

Der Klimawandel ist Realität und fordert den Waldumbau

Wir beschäftigten uns intensiv mit Klimabeobachtungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen über die zu erwartende Klimaveränderung. Die Aussagen sind eindeutig und übereinstimmend: Wir werden eine zwar langsam aber stetig fortschreitende Erwärmung erleben. Ich nehme diese Aussagen der Fachleute ernst. Eine Erkenntnis teilen alle Fachleute: Die Fichte wird auf den trockenen Steigerwaldböden in Zukunft keine Lebenschance me

Fürstlich Castell’sche Forstverwaltung

Gesamtfläche: 4.478 ha
Forstreviere: 8
Lage: zerstreut in Unter-, Mittel- und Oberfranken sowie in Thüringen
Klima der fränkischen Reviere: Niederschlag 600-650 mm Durchschnittstemperatur: 8,0
Baumarten in %:
NH: 28 Fi/Ta, 21 Kie, 4 Dgl, 4 Lä;
LH: 28 Bu, 9 Ei, 3 Elbh, 4 sLbh
Hiebsatz: 31.500 fm
Erschließung: 45 lfm Lkw-fähige Wege pro Hektar (fränkischen Reviere)

 

hr haben. Wer das erkennt, wird in Zukunft keine Fichten mehr pflanzen.

Wir müssen uns wieder auf die seit Jahrtausenden im Steigerwald beheimateten Baumarten besinnen. Diese Arten sind vielfach stark zurückgedrängt. Eiche, Esche, Linde, Kirsche, Hainbuche und auch Elsbeere, Ahorn und Speierling müssen wieder in unseren Wald eingebracht und heimisch werden.

Riesige Aufgaben warten also auf uns. Am Anfang steht das Erkennen der Situation. Sie ist ernst, sie ist an einzelnen Standorten eine echte Katastrophe. Dann kommt die Überlegung: Was ist zu tun? Unsere Forstleute überzeugten mich, dass eine radikale Umstellung unserer Waldbewirtschaftung notwendig ist.

Es ist keine Zeit zu verlieren, wir müssen handeln.


Wald vor Wild – daran führt kein Weg vorbei

Nun kommen wir zu einem wichtigen Punkt. Alle Baumarten, die ich als ursprüngliche Steigerwaldarten aufgezählt habe, sind Lieblingsspeise für unsere Rehe. Der sicherste Schutz gegen den Rehverbiss ist der Zaun. Es hat aber keinen Sinn, sehr große Flächen als Ganzes einzuzäunen, weil es nicht möglich ist, Zäune auf Dauer so dicht zu halten, dass kein Reh hineinkommt.

Hier kommt nun die Aufgabe für die Jagd. Wir können uns einen hohen Rehwildbestand nicht mehr leisten und müssen ihn deswegen reduzieren. Das ermöglicht nur eine intensive Bejagung. Im Casteller Wald machten wir gute Erfahrungen. Nach der Verringerung der Rehwilddichte samen sich bereits überall deutlich mehr Laubbäume an. In den Herbstwochen las ich dann aufmerksam die vielfach in den Zeitungen erschienenen Berichte über die Jagdversammlungen. Und ich wunderte mich, dass es immer noch so viele Stimmen unter den Jägern gibt, die zeigen, dass sie den Ernst der Lage noch nicht erkannt haben.

Ich weiß, dass es schon immer Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten zwischen Jägern und Forstleuten gab. Der Jäger – meist der Jagdpächter – hat den Wunsch, möglichst viele Tiere in seinem Jagdrevier zu sehen. Denn Jagd und Jagderlebnis bestehen ja nicht nur aus dem Abschuss, sondern auch aus der Beobachtung und dem Naturerleben. ...

Bei der Abwägung der unterschiedlichen Interessen muss der Waldbesitzer den Erhalt seines Besitzes als oberste Prämisse beachten. ...

Meine Familie lebt seit Jahrhunderten mit dem Wald. Durch Generationen hindurch bis heute war der Wald unsere wirtschaftliche Grundlage und wird sie auch weiterhin bleiben. Viele Männer und Frauen fanden in unserem Wald Arbeit und Beschäftigung. Unzählige Häuser, Scheunen und Ställe wurden mit Holz aus dem Casteller Wald gebaut. Wir freuen uns, dass auch das Brennholz wieder Wert und Bedeutung gewinnt. Holz ist ein hohes Wirtschaftsgut.

Aber noch etwas ist von großer Bedeutung: Unsere Landschaft, der Erholungswert, die Freude am Wald und auch am einzelnen Baum müssen erhalten bleiben. Es ist vielen Menschen nicht klar, dass auch der Privatwald kostenlos für das Betreten der Allgemeinheit zur Verfügung steht. Das gibt es sonst in keiner anderen Art des öffentlichen und privaten Besitzes. Weil die Zukunft unseres Waldes allgemeines Interesse verdient, lud ich die Bürgerinnen und Bürger im Herbst 2007 in unseren Wald ein und informierte über unsere Waldbewirtschaftung, die anstehenden Aufgaben und Maßnahmen der Walderhaltung. Der Wald prägt meine Heimatliebe und mein wirtschaftliches Denken. Deshalb ist die Erhaltung einer geordneten, zukunftssichernden Forstwirtschaft oberstes Ziel unserer Unternehmensführung. Um dieses Ziel zu erreichen, musste ich langgewöhnte und liebgewordene Einstellungen und Maßnahmen verändern. Das fiel mir nicht leicht, weil auch ich gerne auf die Jagd gehe und unser heimisches Wild beobachte. Jäger, Ökologen und Naturschützer sprechen oft von „unserem Wald“, auch wenn er ihnen gar nicht gehört. Ich bitte alle, die den Wald als einen wichtigen Teil unserer Heimat empfinden und lieben, sich mit unserem Thema der Waldveränderung zu beschäftigen. Jeder von uns kann mithelfen, mit dem kostbaren Erbe der Väter verantwortungsvoll umzugehen und vielleicht mit einer erneuerten Einstellung zur forstlichen Wirtschaftskraft und Schönheit. Wald ist ein kostbarer Bestandteil von Gottes Schöpfung, die uns zum Nutzen und Bewahren anvertraut ist.“

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